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II. Busgespräche und das erste Anzeichen

Seth, mein bester Freund, wartete vor der Schule auf mich. Wir gingen zusammen in viele Kurse. Außerdem war er genauso durchgeknallt wie ich. Ich verstand mich besser mit ihm als mit meinem Bruder. Ich fühlte mich auf eine andere Weise mit ihm verbunden, als mit July. Immer wenn ich mit Seth zusammen war fühlte ich mich geborgen und sicher. Wir ergänzten uns perfekt.

„Lily. Hier bin ich!“, rief er zu mir rüber.

„Hey Seth. Ich weiß doch, du stehst immer da.“ Ich lächelte ihm zu und sah ihn leicht erschrocken.

„Wow. Du  hast deine wunderschönen langen Haare gelockt. Ich mag’s wenn du sie Lockst. Du sieht echt toll aus“, sagte er und lächelte auch.

„Na klar. Heute ist doch Fototag. Da will ich doch hübsch aussehen“, sagte ich mit aufsteigender Röte. Ich sprach nicht gerne über mein Aussehen.

Viele sagten zwar, dass ich schlank sei und meine langen, dunkelbraunen Haare einfach wunderschön sind und dass mein Farbenfroher Kleidungsstil an mir toll aussieht, aber ich war sehr schüchtern und wollte mir das sicher nicht eingestehen. Ach so, mit lang meine ich bis zum Po.

„Du siehst aber auch… chic aus. Was hast du da eigentlich an?“, fragte ich ihn.

Er hatte eine viel zu enge Röhrenjeans an. Sie war schwarz. Er war generell schwarz gekleidet, nur seine grauen Augen und sein strohblondes Haar waren etwas farbig.

„Ich werde Emo. Das habe ich dir doch erzählt, Süßes“, sagte er mit fester Stimme.

„WAS?!“, fragte ich entgeistert. „Nein, hast du nicht. Ritzt du dich etwa? Aber du bist doch gar nicht deprimiert, oder? Hab ich irgendwas verpasst? Und… bist du etwa geschminkt? Oh mein Gott. Du meinst es echt ernst, oder? Aber okay… ich denke ich komme mit klar. Ich muss nur das unfindbare positive finden.“ Ich atmete tief ein und aus.

Seth lachte. „Was ist nun schon wieder?“, fragte ich noch mal.

„Und wie du was verpasst hast. Hallo? Nein, ich bin weder deprimiert noch ritzt ich mich oder bin Emo, du Dusselchen. Natürlich nicht. Heute ist der erste April!“ Und wieder lachte Seth.

„Oh Mann. Ich bin wirklich doof. Tut mir leid, Großer. Aber… du ziehst dich doch noch um, oder?“

Seth kam gar nicht mehr aus’m Lachen raus.

„Natürlich. Ich hab jetzt ne Freistunde. Ich wollte dich doch nur verarschen“, sagte er grinsend.

„Okay. Dann, bis nachher, mein Hardcoreemochen.“

„Ey, sag so was nicht!“, beschwerte er sich, aber ich war schon auf dem Weg zu Ethik.

„Oh doch, mein lieber Freund. Du kannst dich bei dir selbst bedanken. Nach diesen leichtem Herzinfarkt ist das heute dein Spitzname.“ Ich drehte mich wieder um und wir schauten uns an.

„Ach Mensch, Lilyen! Aber… nur heute, okay?“, fragte er. „Okay. Aber nur wenn du dich sofort umziehen gehst“, willigte ich ein.

„Einverstanden“ sagte er. „Also bis nachher.“ Und weg war er. Ich drehte mich wieder um und ging zu Ethik.

 

Mr. Storm nahm den Buddhismus dran. Es war wie immer sehr langweilig. Also nahm ich mir einen Blatt Papier und zeichnete mit meinem Lieblingsbleistift, den mir Seth zu Weihnachten geschenkt hatte, ein paar Mangafiguren.

„Lilyen? Malst du schon wieder?“, fragte Mr. Strom. Erschrocken sah ich auf und schob das mit Mangas vollgemalte Papier unter ein Blatt Notizen.

„Äh… nein. Ich schreibe mit. Ihr Unterricht ist so interessant, Mr. Storm. Da muss ich alles mitschreiben.“

In der Klasse brach Gelächter aus. Jeder wusste wie gut und gerne ich Mangas malte, vor allem im Unterricht vom Stormy, also Mr. Storm.  Außerdem war der Unterricht alles andere als interessant.

„Ach komm schon, Lilyen. Jeder hier weiß das du…“ Ich unterbrach ihn, denn ich wollte mir seine Predigt nicht anhören.

„Okay, okay. Hier“, sagte ich kurz angebunden und gab ihm das voll geschmierte Blatt. „Und außerdem… April, April.“

Und wieder lachte die ganze Klasse.

„Ich muss sagen, dass es wieder einmal sehr schön geworden ist. Und so schön es auch sein mag kommt es jetzt in den Ordner.“

Ja, ihr hört richtig. Stormy hatte einen ganzen Ordner voller Manga Bildern. Alle sind von mir gemalt.

Aber auch die langweiligsten Stunden gehen irgendwann mal zu Ende. Es klingelte und jeder ging zu seinem nächsten Kurs.

In der zweiten Stunde, Biologie, saß Seth neben mir. Er begrüßte mich mit:„Na du? Gab es wieder ein Kunstwerk für den Stormy Ordern’?“ Ich nickte nur und wir lachten darüber, weil wir wussten wie sehr es Stormy aufregte, dass der Ordner jede Stunde um ein Blatt reicher wurde. Und dieser Ordner wurde seit der 5. Klasse, also seit 4 Jahren, wirklich immer dicker! Ich fragte mich, ob ich wohl eines Tages, vielleicht zu meinem Abiturabschluss, diesen Ordner ausgehändigt kriege.

Wir machten nur quatsch, da unsere Biolehrerin Mrs. Patti sowieso nichts mitbekam. Angeblich war sie taub, aber viele dachten, dass sie nur so tut. Aber so ‚taub’ sie war, desto ‚blinder’ war sie. Wir konnten in Bio alles machen… außer Bio.

Und so zog sich der Tag. Seth heiterte mich in der letzten Stunde auf als ich eine 4 im meist gehassten Fach Mathe bekam. Und ich wünschte, er wäre auch am Nachmittag dabei gewesen. Denn die 4 ist rein gar nichts, was mich zu Hause erwartete.

 

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