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III. Das hatte ich nun davon

Nervös saß ich mit angewinkelten Beinen im Sessel.

„Und?“, fragte ich mit zitternder Stimme. „Könnt ihr mir jetzt offiziell sagen, dass ich adoptiert bin?“

„Lily, bitte höre uns erst zu. Es wird nicht einfach für dich sein, aber du musst es jetzt erfahren“, sagte Dad.

„Okay… dann schießt mal los“, forderte ich sie sarkastisch auf. Meine Mom schaute mich eindringlich an, schwieg aber. Auch Dad und Julyen sagten nichts.

„Was ist nun? Ich glaube euch einfach nicht“, sagte ich, während ich in meinem Sessel nervös rumrutschte.

Mein Dad, der auf der Couch saß, stand auf. „Liebes… sei doch nicht so ungeduldig.“

„Dad! Nenn mich nicht ‚Liebes’. Sagt mir endlich was los ist. Schlimmer, als das ich adoptiert bin, kann es ja nicht sein!“ Nun stand ich auf und mein Dad setzte sich wieder.

„Lilyen, setzt dich!“ Erschocken fuhr ich zusammen. Julyen, der sehr wütend aussah, trat neben mich und drückte mich wieder in den Sessel.

„Hör mir jetzt zu. Ich hab es erst erfahren als ich 16 war. Du kannst dich also glücklich schätzen, oder auch nicht. Wie man es nimmt. Aber bleib ruhig und höre einfach zu. Und ich versichere dir, du bist nicht adoptiert. “ Ich nickte und Jul setzte sich wieder.

Meine Familie wirkte auch sehr nervös.

„Okay, Lilyen Jackson, jetzt wirst du die Wahrheit erfahren“, sagte meine Mom.

„Schön. Wird ja auch Zeit!“, sagte ich.

July sprang auf. „Lilyen! Jetzt reicht es.“

Ich sprang auf. „Julyen! Ja, finde ich auch! Es kann doch nicht so schlimm sein. Jetzt seid doch mal ehrlich zu euch! Mir tut das weh, dass ihr mir mein ganzes Leben lang etwas verheimlicht. Versteht ihr mich überhaupt? Sagt es doch einfach, oder ist das so schwer? Meine Gefühle werden Sekunde um Sekunde immer mehr verletzt, nicht eure!“, schrie ich sie an.

Ich war von mir selbst erschrocken. Ich hatte es kaum gesagt und schon tat es mir leid. Vielleicht war es aber auch mal gut das so zu sagen. Vielleicht rüttelte es sie wach. „Oh.“ Ich hielt mir die Hand vor meinen Mund. „Es tut mir Leid. Das wollte ich so nicht sagen“, entschuldigte ich mich und setzte mich beschämt zurück im meinen Sessel. Ich starrte traurig auf die Blume, die auf unserem Wohnzimmertisch stand.

„Ich verstehe dich vollkommen, mein Engel, aber uns fällt es sehr schwer es dir zu sagen. Du musst uns auch verstehen.“

Meine Familie liebt mich. Sie machen das zu meinem besten,schoss es mir wieder durch den Kopf. Es war wie eine Vision von Worten, die ich vor mein inneres Auge jedes Mal sah.

Mir kamen die Tränen. Mom kam und setzte sich neben mich. Ich wusste nicht was mit mir los war, ich wusste nur, das irgendetwas mit mir passiert. Etwas in mir veränderte sich und ich hatte höllische Angst davor.

„Mom“, schluchzte ich. „Was passiert mit mir? Sag es einfach. Kurz und knapp. Bitte! Es wird immer schlimmer und ich hab solche Angst!“

„Okay“, sagte sie und nahm meine Hand. July und Dad kamen auch zum Sessel. Dad hockte sich neben Mom, und mein Bruder nahm meine andere Hand und streichelte mir den Rücken.

Ich schaute ihn an.

„July. Ich liebe dich, Bruderherz, aber sag mir was los ist“, bettelte ich und wurde erneut von Tränen überrannt.

„Wir…“, begann er. „Wir sind… Vampire, Lily. Und du bist gerade in der Verwandlungsfase zu einem.“

„Wir sind… Vampire?“, wiederholte ich. „Ja, Schatz. Deswegen auch die grünen Augen“, sagte Mom.

„WAS?! Vampire? Die Monster, die Menschen töten um ihnen ihr Blut schamlos auszusaugen? Habt ihr sie noch alle? Das könnt ihr doch nicht mit mir machen! Ihr wollt mich doch verarschen oder was?!“ Wütend stand ich auf und funkelte alle böse an.

„Wir hätten doch noch warten sollen“, meinte mein Vater traurig. Es verletzte ihn, wie ich mit ihnen redete, aber was hatte er denn bitte erwartet? Das ich ihm lächelnd in den Arm springe und mich freuen würde endlich Menschen zu töten? Sowas konnte er nicht von mir verlangen!

Und wieder hatte ich einer dieser Wortvisionen. Sie lügen mich nicht an. Es ist die Wahrheit, ob ich will oder nicht.

Aber ich glaubte es nicht. Vampire sind Fabelwesen und die gibt’s nicht in der Wirklichkeit. Davon war ich überzeugt!

„Da hast du Recht, Dad, ihr hättet warten sollen. Nein… wartet! Ihr hättet mir doch sagen sollen, dass ich adoptiert bin“, schrie ich sie an. Mit Tränen in den Augen rannte ich in mein Zimmer und knalle die Tür zu.

„Ihr hättet auf mich hören sollen! Ich wusste, dass sie so reagiert. Aber macht ihr jetzt bloß keine Vorwürfe, okay Mom? Dad?“ Es war Julyen, der dagegen war. In diesem Moment liebte ich ihn mehr als sonst. Er wollte mich beschützen, und das machte er vor unseren Eltern nicht so oft.

„Okay, July, aber sie zu das sie sich wieder beruhigt“ sagte Mom, und ich schmiss mich voller Wut aufs Bett. Dort weinte ich dann Hemmungslos.

Nach einer Weile beschloss ich Seth anzurufen. Ich musste es ihm erzählen. Er würde mich zwar für verrückt erklären, aber war ich das nicht schon immer? Außerdem stimmte die Sache sowieso nicht… das hieß ich würde ihm erzählen, dass meine Eltern mich angelogen haben. Als ich darüber nachdachte spürte ich wie der Hass größer wurde. Noch nie haben mich meine Eltern so verarscht und angelogen.

Blindlings griff ich nach meinem Handy. Ich hatte es noch in meiner Jackentasche, auf der ich lag. Schnell tippte ich seine Nummer und wartete darauf, dass er endlich abnahm.

„Hey Lily. Und wie war‘s?“ Seine Begrüßung war sehr direkt. Ich schluckte erst noch einmal, bevor ich ihm antwortete.

„Hey Seth. Du wirst es nicht glauben“, begann ich. Meine Stimme klang rau und belegt. Wie bei einer Erkältung. Ich musste mich räuspern. Erst dann konnte ich weiter sprechen.

„Sie haben mich verarscht und angelogen! Das was sie mir erzählt haben kann gar nicht wahr sein! Das ist eine Lüge!“, schrie ich leicht hysterisch ins Telefon, und wieder schossen mir Worte ohne Grund durch den Kopf.

Sie lügen nicht. Alles ist Wahr. Ich kann es bloß nicht begreifen.

„Lilyen, was ist los?“ Er klang wirklich verängstigt.

„Du musst mir erst versprechen, dass du nicht ganz so extrem reagieren wirst wie ich. Bitte.“

„Ja, ist okay. Ich verspreche es. Also, jetzt sag schon! Bist du nun adoptiert?“

„Nein Seth. Ich bin, ich meine, wir sind…“

Er hatte aufgelegt.

Was soll der Scheiß denn bitte, dachte ich. Wütend wollte ich mein Handy gegen die Wand feuern, aber es war nicht mehr in meiner Hand.

Verwundert schaute ich mich um und entdeckte dabei Julyen, der hinter mir stand.

„Wie bist du bitte in mein Zimmer gekommen? Das kann doch jetzt wohl nicht dein Ernst sein, oder?!“ Ich schaute ihn wütend an.

Vampir!

„Guck doch nicht so! Hier, fang! Ich wollte nur verhindern, dass du es Seth verrätst.“ Geschickt warf er mir mein Handy zu.

„Wie… was kannst du als dämlicher Vampir eigentlich noch außer mich stören und klauen?“, fragte ich sichtlich genervt. Ich glaubte so langsam das wir wirklich Vampire waren, denn anders konnte ich mir das übernatürliche nicht erklären, außer das ich vielleicht verrückt sei.

„Superschnell rennen, Fähigkeiten erkennen, supergeschickt, megastark und aufmerksam sein, charmant und bildhübsch sein. Ich habe ein supergutes und feines Gehör und kann mich in ein Tier verwandeln. Habe übrigens auch ein Fotographisches Gedächnis“, antwortete er ohne zu überlegen.

„Kannst du auch mal aufhören so anzugeben?“

Julyen lachte. »Endlich hast du dich wieder eingekriegt. Ja, kann ich! « Auch ich fing an zu lachen. Es fiel mir ein Stein vom Herzen, als July mir zeigte, dass er mich wegen meines Ausrastes nicht hasste. Und ich fand es toll dass er so viel Verständnis hatte. Er kann mich echt immer wieder aufmuntern. 

„Okay, kommen wir zu dem förmlichen. Was willst du als erstes wissen?“ Ich überlegte kurz. „Wir sind wirklich Vampire? Ihr habt mich nicht angelogen? Und jetzt sei bitte ehrlich Julyen!“ - „Ja, sind wir. Einhundertprozentig, meine Kleine. Und es tut mir so leid, dass dich das so getroffen hat. Ich war aber von Anfang an der Meinung, dass du noch zu jung bist! Sei mir bitte nicht böse.“

„Ist schon okay. Ich komme schon damit klar. Und ich kann gar nicht auf dich böse sein! Also, was hat das mit dem Tier auf sich? In welches kannst du dich verwandeln und hat das irgendeine Bedeutung?“

„Ich kann mich in ein… Rotkehlchen verwandeln. Das bedeutet Ruhe und Frieden, Zuversicht, Zärtlichkeit und sowas.“

Ich brach ins lachen aus. Mein Bruder, der gut aussehenste Typ meiner Schule war ein zartes Rotkehlchen. Das war kaum zu fassen!

„Hör auf zu lachen! Ich find das ja nicht lustig. Du könntest dich auch in ein Rotkehlchen verwandeln. Aber weißt du was? Die Tiere sind eine Art >Aufpasser<. Jeder Vampir muss praktisch der Schutzengel jemandes sein. Und… vielleicht ist es dir aufgefallen, aber das…“

„…Rohkehlchen was mich verfolgt warst die ganze Zeit du. Und du bist mein Schutzengel“, beendete ich den Satz geschockt. Die Tränen durchs lachen verwandelten sich in die Tränen der Wut und Traurigkeit. Jetzt war mir auch klar warum ich mich immer so beobachtet gefühlt habe. Aber das Vögelchen kam mir auch so vertraut vor. Ich fühlte mich sicher wenn ich ihn sah. Wie, wenn mein Bruder in der Nähe wäre.

 

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